Der Grundwasser-Nutzungsindex (GWUI) ist eine neu entwickelte Kennzahl, mit der Wasserversorger einfach prüfen können, ob ihre Grundwasserressourcen den aktuellen und künftigen Wasserbedarf sicher decken. Er setzt den monatlichen Wasserbedarf ins Verhältnis zur über mehrere Monate gemittelten Grundwasserneubildung und macht Versorgungsengpässe frühzeitig sichtbar.
Klimawandel und wachsender Wasserbedarf stellen viele regionale Wasserversorger vor die Frage, ob ihre Grundwasserressourcen auch künftig ausreichen. Die Universität Tübingen hat gemeinsam mit GIT HydroS Consult GmbH ein einfach anwendbares Screening-Verfahren entwickelt, dessen Kernstück der neue Grundwasser-Nutzungsindex (GWUI) ist.
Der GWUI setzt den gesamten Wasserbedarf eines Monats ins Verhältnis zur mittleren Grundwasserneubildung der vorangegangenen N Monate im Einzugsgebiet der Förderbrunnen. Durch die Wahl des Mittelungszeitraums N lässt sich der Index sowohl auf langfristige Trends (z. B. N = 120 Monate) als auch auf kurzfristige Belastungsspitzen (z. B. N = 36 Monate) kalibrieren, ohne dass aufwendige, transiente Grundwassermodelle nötig sind.
Angewendet wurde der GWUI auf den Zweckverband Ammertal-Schönbuch-Gruppe (ASG) im Raum Tübingen/Herrenberg (Baden-Württemberg), der rund 123.000 Menschen versorgt. Anhand von 20 Jahren Betriebsdaten konnte der optimale Mittelungszeitraum (35 Monate) ermittelt und mit dokumentierten Engpässen der Vergangenheit abgeglichen werden. Projektionen mit regionalen Klimamodellen bis 2070 zeigen: Selbst in einer humiden, bislang als klimaresilient geltenden Region kann es trotz Zulieferung durch einen Fernwasserversorger wiederkehrend zu kritischen Versorgungssituationen kommen.
Das Verfahren benötigt nur wenige, meist ohnehin verfügbare Daten (Wasserabgabe, Bevölkerungszahlen, meteorologische Daten, ein Bodenwasserhaushaltsmodell) und lässt sich daher mit vertretbarem Aufwand auf andere Wasserversorger und Regionen übertragen. Es liefert Wasserversorgern, Kommunen und Wasserbehörden eine belastbare, leicht kommunizierbare Kennzahl zur Einschätzung der Versorgungssicherheit unter heutigen und künftigen Klimabedingungen – als Grundlage für Investitions- und Anpassungsentscheidungen.